Hinweis: Du besuchst die Website mit dem Internet Explorer, der einige der eingesetzten Elemente nicht abrufen kann. Bitte nutze einen aktuelleren Browser wie Google Chrome, Mozilla Firefox oder Microsoft Edge, der auf neueren Windows-Rechnern auch vorinstalliert ist.

Projekttag „Digitale Gewalt erkennen, handeln und stoppen!“

Digitale Zivilcourage statt Ohnmacht: Junge Menschen fordern konsequentes Handeln gegen digitale Gewalt

Mehr als die Hälfte aller Jugendlichen hat im Netz bereits digitale Gewalt erlebt – von Beleidigungen bis hin zu KI-manipulierten Deepfakes. Um dieser Dynamik etwas entgegenzusetzen, brachte der WAKE UP! Projekttag am 22. Mai 2026 rund 1.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland digital und analog zusammen.

Gruppenbild Gäste

„Digitale Gewalt ist kein virtuelles Randphänomen, sie ist bittere Realität. Wir dürfen hier nicht tatenlos zusehen“, ordnete Claudia von Bothmer, Director Corporate Responsibility & Sustainability bei Telefónica Deutschland, die Relevanz des Projekttags ein. „Ein stabiles Netz ist nur die Basis – entscheidend ist, wie wir uns darin begegnen. Mit WAKE UP! wollen wir Jugendlichen das Werkzeug an die Hand geben, um laut zu sein, Betroffene zu unterstützen und den digitalen Raum wieder zu einem sicheren, respektvollen Ort für alle zu machen.“
Claudia von Bothmer auf der Bühne

Drei Hamburger Schulklassen (rund 70 Jugendliche vor Ort) sowie 960 weitere Teilnehmende per Livestream verfolgten die Veranstaltung und diskutierten mit Betroffenen, einer Medienpädagogin und einem Rechtsexperten über Hass im Netz, Deepfakes, digitale Grenzverletzungen und die drängende Frage: Wie können junge Menschen wirksam geschützt werden?
Räumlichkeit mit Schüler:innen und Moderation auf Bühne

Wenn Hass und Grenzverletzungen zum Alltag werden
Bereits zu Beginn des Projekttags wurde deutlich, wie präsent digitale Gewalt im Alltag vieler Jugendlicher ist: Aktuelle Auswertungen aus dem Jahr 2026 zeigen, dass mehr als die Hälfte der Befragten bereits digitale Gewalt erlebt hat. In den Live-Umfragen berichteten die Jugendlichen von Erfahrungen mit Beleidigungen, Fakeprofilen oder Hassnachrichten. Ein Schüler beschrieb stellvertretend die Sogwirkung der Plattformen: „Die Zeit vergeht extrem schnell, TikTok ist einfach sehr verlockend.“
Schülergruppe auf der Bühne

Besonders eindrücklich schilderte Aktivistin und Creatorin Mina Camira ihre Erfahrungen mit sexualisierter digitaler Gewalt. Ihre Fotos von einer Second-Hand-Plattform wurden mithilfe von KI manipuliert und auf pornografischen Plattformen verbreitet. „Die Scham muss die Seite wechseln. Nicht die Betroffenen müssen sich schämen, sondern die Täter!“, forderte sie auf der Bühne. 

Mina Camira auf der Bühne

Auch Content Creator Pascal („Pascalredet“) sprach offen über massive Bedrohungen aus der rechtsextremen Szene, die in seinem Fall bis zu einem realen Einbruchsversuch reichten. „Man darf nicht den Fehler machen, sich darauf zu verlassen, dass analog nie etwas passiert. Digitale Gewalt kann psychisch extrem belastend sein“, erklärte er und appellierte an die Jugendlichen, psychische Belastungen nicht herunterzuspielen: „Eure Probleme zählen auch!“
Pascal redet auf der Bühne

Digitale Gewalt trifft Geschlechter unterschiedlich
Große Aufmerksamkeit erhielt auch die Diskussion über geschlechterbezogene Unterschiede digitaler Gewalt. Während sexualisierte digitale Gewalt besonders häufig Mädchen und junge Frauen betrifft, erleben viele Jugendliche unabhängig vom Geschlecht Beleidigungen, Ausgrenzung oder Bedrohungen im Netz. Dabei ging es auch um die Mechanismen hinter digitaler Gewalt und die Rolle von Influencern.
Schülergruppe im Publikum

Pascal beschrieb, warum insbesondere soziale Netzwerke problematische Inhalte verstärken können: „Viele Plattformen belohnen Zuspitzung und Provokation. Dadurch verbreiten sich Hass und extreme Inhalte oft schneller als sachliche Diskussionen.“ Lidia de Reese, Medienpädagogin und stellvertretende Geschäftsführerin der FSM e.V., betonte die Bedeutung von Medienkompetenz: „Jugendliche müssen lernen, wie digitale Manipulation funktioniert, wie sie sich schützen können und wo sie Hilfe bekommen.“ Ein interaktiver Check zeigte hier Nachholbedarf: Die allermeisten Jugendlichen wissen im Ernstfall noch nicht, an welche professionellen Stellen sie sich wenden können.
Gäste auf der Bühne bei Podiumsgespräch

Wer trägt Verantwortung im Umgang mit digitaler Gewalt?
In Arbeitsgruppen diskutierten die Jugendlichen anhand eines Fallbeispiels aus einem Klassenchat, welche Verantwortung Mitschüler:innen tragen. Schüler Sufian präsentierte das Ergebnis seiner Gruppe auf der Bühne: „Wegschauen oder Liken ist problematisch, da die Person alleine dasteht und der Inhalt durch die Likes nur noch populärer und schlimmer für sie wird. Es ist mutig, die betroffene Person privat zu kontaktieren und zu ermutigen.“

Gäste und Schüler auf der Bühne im Gespräch

Neben Schule und Eltern standen dabei auch Plattformbetreiber im Fokus, die oft gar nicht oder zu spät reagieren. Mina Camira forderte hier echte Konsequenzen und eine Verifizierungspflicht für Plattformen: „Es kann nicht sein, dass die Plattformen sich gar nicht darum kümmern, dass wir dort sicher sind.“
Aufgabenbesrechung mit Gästen

Was sich ändern soll
Neben den persönlichen Erfahrungen stand auch die juristische Aufarbeitung im Fokus der Veranstaltung. Dr. Nils Winkler, Rechtsanwalt und Strafverteidiger, sprach über die aktuelle Rechtslage und den geplanten Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt. Er erklärte: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Viele Betroffene wissen aber nicht, welche Möglichkeiten sie bereits heute haben.“ Er empfahl dringend, Beweise per Screenshot zu sichern und Online-Anzeigen zu erstatten.
Gäste auf der Bühne bei Podiumsgespräch

Der neue Gesetzentwurf soll bestehende Lücken schließen: Das Herstellen und Verbreiten von sexualisierten Deepfakes soll künftig mit Geldstrafen oder bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden. Zudem wurde auf spezialisierte Hilfsangebote wie HateAid, die Plattform Safe im Recht oder das Lösch-Tool Take It Down verwiesen.
Pascal redet auf der Bühne

Creator Pascal fasste das Kernproblem am Ende treffend zusammen: „Social Media ist ein erweiterter Spiegel unserer Gesellschaftsstruktur. Der Hass kommt nicht wegen Social Media, sondern wegen unserer Gesellschaft. Social Media ist nur das Symptom.“ Statt pauschaler Verbote fordern die Jugendlichen vor allem mehr Medienkompetenz, digitale Zivilcourage und einen respektvolleren Umgang im Netz – Werte, für die sich WAKE UP! nachhaltig einsetzt.


Gruppenbild Gäste und Schüler:innen

Prävention beginnt bei Eltern
Weil wirksamer Schutz nur gemeinsam gelingt, startete das Event bereits am Vorabend mit einem digitalen Elternabend. Coachin Silke Müller, Expertinnen und Experten aus dem Medien- und Rechtsbereich sowie Betroffene informierten über 800 Teilnehmende über digitale Gefahren. Ziel war es, Eltern praxisnah aufzuzeigen, welchen Dynamiken ihre Kinder im Netz begegnen – und ihnen konkrete Hilfestellungen an die Hand zu geben, um Jugendliche sicher und selbstbewusst durch die digitale Welt zu begleiten.
Gäste auf der Bühne bei Podiumsgespräch

Videoaufzeichnung des Schülertags:

Mit dem Laden des Videos akzeptierst du die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren