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Jugenddialog: Brauchen wir eine Stopp-Taste für TikTok & Co.?

Rote Karten im Raum: Auf die Frage, ob sie sich im Netz sicher fühlen, antwortete die Mehrheit der über 100 Schüler:innen beim WAKE UP! Jugenddialog im Berliner Telefónica BASECAMP mit einem deutlichen Signal des Misstrauens. In einer Fishbowl-Diskussion trafen Jugendliche auf die Bundestagsabgeordneten Zoe Mayer (Bündnis 90/ DiE GRÜNEN), Rasha Nasr (SPD) und Pascal Reddig (CDU) sowie Lilli Berthold (Bundesschülerkonferenz), um über Chancen und Risiken sozialer Medien zu debattieren.



Schüler:innen bei einer Abstimmung mit Karten

Gleich zu Beginn betonte Deniz Taskiran, Leiterin der Initiative WAKE UP! bei Telefónica Deutschland, die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens: „Ein großer Teil eures Alltags findet heute auf Social Media statt. Bei o2 Telefónica stellen wir nicht nur Internetverbindungen bereit – wir übernehmen auch Verantwortung für ein sicheres und faires Netz. Gerade weil die Risiken für Jugendliche hoch sind, sprechen wir mit euch, um zu verstehen, was ihr von Politik und Unternehmen erwartet.“
Gruppenbild mit Gästen

Digitale Gewalt: Wenn der Algorithmus den Alltag bestimmt

Dass Handlungsbedarf besteht, untermauerte Lilli Berthold mit einer schockierenden Beobachtung aus ihrer eigenen digitalen Lebenswelt: „Warum habe ich schon die vierte Hinrichtung in meiner For-You-Page?“ Rasha Nasr forderte mehr Mut im Umgang mit digitaler Gewalt: „Ich finde immer noch, dass wir nicht wütend genug sind. Wut ist ein guter Motivator, wenn man sie in konstruktive Maßnahmen überführt. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum, und wir brauchen eine viel stärkere Sensibilisierung in der Gesellschaft.“ Lidia de Reese, Medienpädagogin der FSM e.V., ergänzte die fachliche Perspektive: „In der Theorie ist die Nutzung oft erst ab 13 Jahren erlaubt, aber das ist eben nur Theorie. Wir müssen Jugendliche befähigen, sich vor Übergriffen zu schützen, statt sie nur auszuschließen.“
Lilli und Rasha auf dem Podium

Die Verbotsdebatte: Kontroverse Positionen 

Besonders kontrovers wurde die Forderung nach einem Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige diskutiert. Auf dem Podium zeichneten sich klare unterschiedliche Haltungen ab: Pascal Reddig und Zoe Mayer sprachen sich für ein solches Verbot aus, um junge Menschen vor psychischen Belastungen und Manipulation zu schützen. Pascal Reddig betonte: „Die Plattformen sind in der Verantwortung, uns zu zeigen, was KI ist – dafür braucht es Regulierung. KI kann gut sein, hat aber eben auch Schattenseiten wie Desinformationskampagnen im politischen Bereich.“ Zoe Mayer warnte ergänzend vor der manipulativen Kraft der Algorithmen: „Eine Kernproblematik ist, dass uns eine gesellschaftliche Spaltung vorgegaukelt wird, die es so stark gar nicht gibt. Wir sind in unseren sozialen Netzwerken so sehr in unserer Bubble, dass wir oft nur noch die Pole wahrnehmen. Das muss hinterfragt werden.“ Rasha Nasr wies darauf hin, dass ihre SPD-Bundestagsfraktion ein Social-Media-Verbot bis 14 Jahre sowie geschützte Räume für 14- bis 16-Jährige befürwortet. Die Schülervertreterin Lilli Berthold hielt gegen die Verbotspläne fest und wünscht sich mehr Förderung von Medienkompetenz: „Die Verbots-Debatte schiebt das Problem nur in die Zukunft. Wenn wir Jugendliche bis 14 Jahre begrenzen und sie dann ab 14 plötzlich mit allen Inhalten konfrontieren, ist das keine Lösung. “
Gäste auf dem Podium

Schule und Elternhaus: Gemeinsam gegen die Überforderung

Einigkeit bestand darin, dass Bildung nicht allein Aufgabe der Schulen sein kann. Lilli Berthold betonte „Schule kann digitale Bildung und Aufklärung nicht einfach so leisten, wir müssen viel mehr finanzieren und unterstützen.“ Lidia de Reese hob die Rolle der Eltern hervor: „Unterhaltung ist ein Kinderrecht. Entscheidend ist, dass Eltern und Kinder gemeinsam Regeln für die Nutzung finden, statt ausschließlich auf Verbote zu setzen.“






Lidia de Reese im Interview

Die Schüler:innen verabschiedeten die Politiker:innen mit klaren Botschaften wie „Das Problem ist nicht Social Media, sondern was wir daraus machen“ oder „Die Dosis macht das Gift“. Das Ergebnis des Tages: Die Generation Z wünscht sich mehr Vertrauen, mehr Schutz durch kluge Rahmenbedingungen – und vor allem echte Teilhabe statt Symbolpolitik.



Schüler stellt Ergebnis des Arbeitsauftrags vor

Videoaufzeichnung der Veranstaltung:

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