Hinweis: Du besuchst die Website mit dem Internet Explorer, der einige der eingesetzten Elemente nicht abrufen kann. Bitte nutze einen aktuelleren Browser wie Google Chrome, Mozilla Firefox oder Microsoft Edge, der auf neueren Windows-Rechnern auch vorinstalliert ist.

Generationendialog – „Nie allein? Nähe, Trost und Gefühle in Zeiten von KI“

Einsamkeit als gesellschaftliche Herausforderung 

Japanerin heiratet KI-Avatar – mit dieser Meldung startete der Generationendialog, der von Autor und Journalist Juan Moreno moderiert wurde. Auf den ersten Blick wirken Geschichten wie diese skurril. Doch dahinter steckt ein ernst zu nehmendes Problem – denn Einsamkeit ist zu einer gesamtgesellschaftlichen Herausforderung geworden, wie aktuelle Zahlen aus einer repräsentativen Telefónica-Befragung unter 1000 Menschen in Deutschland bestätigen. Sechs von zehn Menschen fühlen sich regelmäßig einsam, ein Viertel sogar häufig. Besonders betroffen sind junge Menschen, von denen über 80 Prozent Einsamkeit erleben. Viele suchen digitale Nähe über Social Media oder nutzen bereits KI-gestützte Gesprächspartner – ein Trend, der in den jüngeren Altersgruppen bereits etabliert ist. Für 74% der Gen Z sind Social Media oder Chatbots ein Ersatz oder zumindest eine Ergänzung zu persönlichen Offline-Kontakten.

Mit der Veranstaltung „Nie allein? Nähe, Trost und Gefühle in Zeiten von KI“, die am 15. Dezember 2025 im BASECAMP Berlin und parallel im Livestream stattfand, setzten sich WAKE UP! und Digital mobil im Alter zum Ziel, Jung und Alt über Chatbots als Bezugsperson aufzuklären, zum Nachdenken anzuregen und über Chancen und besonders Grenzen dieser Angebote zu diskutieren.

Warum Menschen sich an KI-Freunde wenden

Die beiden Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Katrin Döveling (Medienpsychologie, Hochschule Darmstadt) und Dr. Aike Horstmann (Sozialpsychologie, Universität Duisburg-Essen) ordneten ein, warum KI für viele Menschen attraktiv erscheint: ständige Verfügbarkeit, bedingungslose Bestätigung, wertfreie Rückmeldungen – zugleich aber fehlende echte Empathie, mögliche Manipulationsrisiken und problematische Anbieterinteressen.

Wird die KI unsere Freundschaft verändern? Dr. Aike Horstmann betont, dass KI-Beziehungen nicht stigmatisiert werden sollten. Sie seien zwar kein langfristiger Ersatz für menschliche Kontakte, könnten aber nach dem Motto „Besser als nichts“ Menschen unterstützen, die wenig oder keine persönlichen Interaktionen haben.

Nähe durch KI – die Probleme verdeckt? 

Juan Moreno demonstrierte, wie eine Freundschaft mit einer KI aussehen könnte, indem er den im Vorfeld mit einem frei verfügbaren Programm erstellten KI-Avatar „kAI“ vorstellte. Dieser wurde als „guter Freund“ generiert, der ein aufmerksamer Zuhörer ist und stets Lösungen für Probleme findet. In einer lockeren Unterhaltung fragte Moreno den Avatar um Rat, wie man der Einsamkeit in einer Großstadt entgehen könne. kAI lieferte prompt die Lösung: „Lass uns gleich am Alex treffen!“ Die KI war dabei bestrebt, die Illusion eines echten Gesprächs aufrechtzuerhalten. Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden die Bedürfnisse verschiedener Generationen sowie gesellschaftliche und politische Fragen gemeinsam diskutiert.

Was sagen Vertreter:innen der Generationen?

Ria Hinken (Trainerin für Digitalkompetenz im Alter): „Es kann gefährlich sein, wenn einsame Menschen, egal ob jung oder alt, mit einer KI kommunizieren, deren Hintergrund sie nicht kennen. Wenn etwas kostenlos ist, dann bezahlt man mit seinem Namen und seinen Daten. Welche Interessen stecken hinter dem Angebot? Deshalb sind klare Regelungen notwendig.”

Linos Ullmann (Host des Tiktok-Kanals „keepingupwith_ai“ des KI-Campus): „KI als emotionale Unterstützung ist nicht neutral, sie ist eine Antwort auf eine Krise: fehlende Zeit füreinander, fehlende Therapieplätze, fehlende solidarische Strukturen. Der Chatbot wird dann zur schnellsten, billigsten Nähe und damit auch zur Beruhigungspille, die das strukturelle Problem unsichtbar macht.”

Lilli Berthold, stellvertretende Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, betonte, dass Schulpsychologie und Schulsozialarbeit zwar zur Abfederung digitaler Einsamkeit beitragen könnten. Es sei jedoch entscheidend, weiterführende Lösungen zu entwickeln, damit der Bedarf an psychologischer Betreuung an Schulen nicht länger die Regel sein müsse.

Menschen digital stärken und echte Hilfe bieten

Der Generationendialog machte deutlich, wie wichtig es ist, Menschen jeden Alters im Umgang mit digitalen Technologien und KI zu unterstützen – im Alltag wie in emotionalen Situationen. Ziel ist es, Wissen zu vermitteln, Kompetenzen zu fördern und ein Bewusstsein für Chancen und Risiken zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um die technische Nutzung, sondern auch um den verantwortungsvollen, ethischen und sicheren Umgang.

Claudia von Bothmer, Director Corporate Responsibility & Sustainability bei O2 Telefónica: „Die Digitalisierung bringt viele Vorteile und eröffnet neue Möglichkeiten der Vernetzung der Menschen untereinander. Gleichzeitig erleben wir in der Gesellschaft weiterhin ein hohes Maß an Einsamkeit. Digitale Angebote haben Grenzen in der sozialen Interaktion und wirken vor allem dann unterstützend, wenn Menschen sie bewusst und kompetent nutzen. Deshalb fördern wir bei o2 Telefónica als Netzbetreiber und Zugangsanbieter mit gezielten Programmen den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Tools – insbesondere bei vulnerablen Gruppen wie Jugendlichen oder älteren Menschen.“ Mit Initiativen wie WAKE UP! und dem Projekt „Digital mobil im Alter“ der Stiftung Digitale Chancen engagiert sich o2 Telefónica gemeinsam mit weiteren Partnern dafür, Menschen über die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung aufzuklären und sie in ihrer digitalen Handlungsfähigkeit zu stärken.

Videoaufzeichnung der Veranstaltung:

Mit dem Laden des Videos akzeptierst du die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren